Chronik

Allgemeiner Sportverein Möhrendorf 1947 e.V.

Chronik

Die Geschichte des ASV Möhrendorf beginnt in der schweren Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in der die Menschen sich im Kampf um Lebensmittelmarken, Rationierungen, auch der Grundbedürfnisse des Lebens, tagtäglich neu bewähren mussten. Dass unter solchen äußeren Bedingungen sportbegeisterte Möhrendorfer sich zusammentaten und auch hier einen Sportverein aus der Taufe hoben, ist mit den heute gültigen Anschauungen über ehrenamtliches Engagement nicht zu begreifen.

Am 6. Januar 1947 fand im Nebenzimmer des Gasthauses Förster in Möhrendorf die Gründungsversammlung statt. Anwesend waren etwa 50 Männer und Jugendliche. Nach Diskussion wurde eine vorläufige Satzung verlesen und die Vorstandschaft gewählt.

chronik             1. Vorstand: Josef Gegner

             2. Vorstand: Hans Schmitt

             Kassier: Hans Pickel

             Schriftführer: Michael Dressel

             Technischer Leiter: Georg Sommer

             Jugendleiter: Willi Wurzbacher

             Schiedsrichter-Obmann: Hans Lindner

 

 

Gründungsmitglieder:

Ernst Böhmert, Michael Dressel, Fritz Ehrhard, Konrad Fischer, Hans Friedrich, Josef Gegner, Heinrich Hagen, Georg Hahn, Fritz Hübschmann, Horst Kleinert, Konrad Krämer, Konrad Kraus, Fritz Letsch, Hans Lindner, Walter Patutschnik, Hans Pickel, Hans Polster, Konrad Polster, Benno Reck, Matthäus Reck, Franz Reidel, Fritz Röder, Harry Schlicke, Alfred Schneider, Walter Schneider, Heinrich Schuster, Hans Schütz, Hans Schütz II, Fritz Schwarzenbach, Hans Sendner, Konrad Sendner, Felix Sichermann, Georg Sommer, Heinrich Wurzbacher, Willi Wurzbacher

Als Vereinslokal wurde die Gastwirtschaft Letsch bestimmt. Ferner wurde der Bau eines Sportplatzes beschlossen. Durch den anhaltend langen und strengen Winter verzögerte sich diese Angelegenheit. So fanden die ersten Spiele auf gegnerischen Plätzen statt. Nach §1 der ersten Satzung bezweckte der Verein: Die Förderung des Sports und hier vor allem des Fußballsports, als ein Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung. Nach dieser Bestimmung des Vereinszwecks ist es nicht verwunderlich, dass die Chronik des Vereins für die ersten Jahrzehnte die eines reinen Fußballvereins ist. Erst mit dem Bau der Schulsporthalle in Möhrendorf 1985 erfuhr der Verein, nach einigen zaghaften Versuchen vorher, eine durchgreifende Veränderung und die Wandlung zum echten Breitensportverein.

Zunächst also die Entwicklung des ASV Möhrendorf als Fußballverein: Das erste Spiel des neuen Vereins fand am 6. April 1947 in Dechsendorf statt. Es wurde leider mit 2:5 Toren verloren. Aber bereits das 2. Spiel gegen den SC Eltersdorf wurde mit 2:1 gewonnen. Das erste Großereignis hatte der ASV Möhrendorf mit der Platzeinweihung am Sonntag, 1. Juni 1947, zu feiern.Der erste Sportplatz: Ein Acker, dort wo sich bis 2001 das Sportgelände an der Neuen Straße befand, diente als Spielfeld. Gegner des Eröffnungsspiels war der FC Dechsendorf und der ASV Möhrendorf gewann mit 10:2 Toren. Bei solch einem Ergebnis sollen auch heute noch die damaligen Torschützen erwähnt werden: Wagner (6), Wellein (1), Walz (2), W. Wurzbacher (1). Dieser Sieg trug sehr viel dazu bei, dass der Fußballsport in Möhrendorf populär wurde. Die Mannschaft steigerte sich in der im August gestarteten Verbandsrunde zu einem ernstzunehmenden Gegner. Der sofortige Aufstieg in die B‑Klasse wurde nur ganz knapp verfehlt. Dies gelang erst ein Jahr später. Am Ende der 2. Spielzeit in der B‑Klasse wurde dann zum Spieljahr 1951/52 das große Ziel des Aufstiegs in die A‑Klasse geschafft. Aus der Anfangszeit ist noch erwähnenswert, dass in der 2. Versammlung, am 20. August 1947, ein “Spielkritiker” und eine “Platzpolizei” gewählt wurden.

In den Jahren 1949/50 wurde der bisherige Sportplatz renoviert. Für die Zwischenzeit stellte der Vereinswirt Andreas Letsch großzügig eine Wiese an der Dechsendorfer Straße als Spielfeld zur Verfügung, auf der die Meisterschaftsspiele bis 10. September 1950 ausgetragen wurden. Der neu erstellte Sportplatz an der alten Stelle an der Neuen Straße wurde am Kirchweihsonntag, 17. September 1950, mit einem Sieg im Pokalspiel gegen den ASV Weisendorf eingeweiht. In der neuen, höheren Spielklasse war der ASV Möhrendorf von Anfang an sehr erfolgreich und war immer in der oberen Tabellenhälfte zu finden. Dies veranlasste auch immer mehr Möhrendorfer Bürger durch ihren Beitritt dem Verein den Rücken zu stärken. Nachwuchsförderung war beim ASV Möhrendorf von Beginn an ganz groß geschrieben. In den Mannschaftsaufstellungen der “goldenen fünfziger Jahre” lässt sich immer wieder nachlesen, dass Jugendspieler den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft haben. Dies war ein Garant für die jahrelange Behauptung des Vereins in der höheren spielstarken Klasse. Auch heute ist die Pflege und Förderung des eigenen Nachwuchses vorrangiges Ziel des Vereins.

Josef Gegner, der Gründungsvorstand und Motor des Vereins, legte l957 nach l0‑jähriger erfolgreicher Tätigkeit sein Amt nieder. Er hatte dem Verein seinen “Stempel” aufgedrückt. Aus einer Sandwüste wurde ein akzeptabler Sportplatz mit Umkleidekabinen, die zwar noch nicht optimal, aber sehr gut brauchbar waren. 1959 entschloss sich der Verein zum Bau eines eigenen Heimes mit neuen Umkleidekabinen und Waschräumen. Das Richtfest wurde zünftig gefeiert. Das muss den Spielern der 1. Mannschaft nicht gut bekommen sein. Der Sportreporter der Lokalzeitung berichtete am 31. Juli 1960 von einer Reihe von Vereinen, die Sportheime in diesem Jahr gebaut hatten, und im gleichen Jahr entweder abstiegen oder gerade noch einmal davon gekommen waren, der ASV Möhrendorf war jedenfalls auch dabei. Er musste den bitteren Weg des Abstiegs in die B‑Klasse antreten, und das nach 9‑jähriger Zugehörigkeit zur A‑Klasse. Auch danach wurde die spielerische Linie nicht wieder gefunden. Die Mannschaft zerfiel etwas und der Rutsch in den Keller des Fußball-Daseins, die C‑Klasse war ein Jahr später nicht mehr aufzuhalten. Erst 1970 war es wieder soweit. Der ASV Möhrendorf konnte als Meister der C‑Klasse in die B‑Klasse aufsteigen. Zwischenzeitlich wurde das angefangene Sportheim noch in einen benutzbaren Zustand gebracht. Der auf Möhrendorf vorrückende Rhein-Main-Donau-Kanal machte eine Vollendung unmöglich. Der Kanal schnitt eine Ecke des Sportplatzes ab. Das nicht ganz fertige Heim musste abgebrochen und der A‑Platz um ca. 30 Meter nach Westen verschoben werden. Aber durch die finanzielle Abfindung der RMD AG und die aufopferungsvolle Mitarbeit der Vereinsmitglieder, insbesondere des damaligen Hauptkassiers und späteren Ehrenvorsitzenden Richard Hetzner, war es dem Verein möglich, ein Sportheim zu erstellen. Baubeginn war 1966. Eingeweiht wurde das Heim im August 1967 mit einem Pokalturnier.

1968 gab es dann erste Versuche, den Fußballverein durch andere Sportarten, insbesondere für Frauen, zu erweitern. Gedacht war z.B. an Jazzgymnastik. Nachdem kein geeigneter Übungsraum gefunden werden konnte, musste das Vorhaben aufgegeben werden. Zwei Jahre später, 1970, kam dann der zweite, diesmal erfolgreiche Anlauf. Es bildete sich eine Damengymnastikgruppe im ASV Möhrendorf, die bis 2010 bestand. Dies ist deshalb auch heute noch so erwähnenswert, weil diese engagierten Sportlerinnen bis 1985, also l5 Jahre, im Keller der Grundschule übten. Dies war ganz gewiss kein idealer Platz. Leiterin dieser Damengymnastik war seit mehr als 35 Jahren Helga Sichermann. Eine weitere Idee, eine Schachabteilung im Verein zu etablieren, verlief damals nach einigen Treffen leider im Sande.

Das 25‑jährige Vereinsjubiläum wurde selbstverständlich ganz groß gefeiert, vom 30. Juni bis 2. Juli 1972. Sportlicher Höhepunkt war ein Fußballspiel der 1. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft der SpVgg Erlangen-Büchenbach, das leider mit 1:5 verloren wurde. Der frohen und ausgelassenen Stimmung tat dies aber keinen Abbruch. Die Fußballer spielten in diesen Jahren recht erfolgreich in der B‑Klasse. Sie waren jeweils im vorderen Mittelfeld zu finden. Aus dieser Zeit ist auch ein besonderer Rekord zu vermelden: Am 12. Januar 1975 waren am Sportplatz 800 zahlende Zuschauer. Eine für heutige Verhältnisse unvorstellbare Zahl, zumal mitten im Winter. Es war das Spiel gegen den damaligen Tabellenführer ASV Niederndorf. Der ASV Möhrendorf stand auf dem 3. Platz. Erst in der Saison 1980/81 war dann nach mehreren vergeblichen Anläufen der Wiederaufstieg in die A‑Klasse geschafft. Leider dauerte der Aufenthalt dort nur ein Jahr. Zum Ende der Saison war der Abstieg in die B‑Klasse wieder besiegelt. In diese Zeit fällt auch die Entstehung einer Rock‘n‘ Roll-Tanzgruppe im Verein. Nachdem noch immer keine Turnhalle vorhanden war, probte man im Gasthaus Schuh in Kleinseebach.

Auch Tennisspieler schlossen sich bereits damals im Verein zu einer eigenen Gruppe zusammen. Sie mussten sich mit angemieteten Plätzen und mit den damals auch nur spärlich vorhandenen kommerziellen Tennishallen begnügen. Fußball war neben Tennis die tragende Säule des Vereins, obwohl der mit der Eröffnung der neuen Schulturnhalle im Herbst 1985 eine durchgreifende Veränderung erfahren hat. Die neue Halle wurde und wird dem Verein dankenswerter Weise von der Gemeinde Möhrendorf kostenlos außerhalb der schulischen Nutzung zur Verfügung gestellt. Der ASV konnte damit das Angebot für die sportbegeisterten Bürgerinnen und Bürger schrittweise erweitern. So wurde z.B. in der neuen Halle mit Mutter- und Kind-Turnen, Kinderturnen, Tischtennis, Leistungsgymnastik, Volleyball und Skigymnastik begonnen. Selbstverständlich zogen die bereits bestehende Damengymnastik und die Rock‘n‘ Roll-Tanzgruppe ebenfalls in die neue Halle und hatten damit endlich vernünftige Trainingsbedingungen. Im Laufe der Zeit kamen noch weitere Aktivitäten dazu: Aerobic, Basketball, Kleinkinderturnen, Rückenschule, Rhythmik. Damit vollzog sich die Wandlung des ASV Möhrendorf vom Fußballverein mit einigen Anhängseln, zum echten Breitensportverein. Die Mitgliederzahl stieg durch diese Wandlung von vorher ca. 350 auf über 600 an.

Die Fußballer spielten in den Jahren der Veränderung des Vereins mit unterschiedlichem Erfolg in der B‑Klasse. Leider mussten sie dann aber, ausgerechnet im Jahre des 40‑jährigen Vereinsjubiläums, nach einer unglücklichen und mit viel Verletzungspech verlaufenen Saison 1986/87 in den Fußballkeller, die C‑Klasse, absteigen. Das große Fest zum 40‑jährigen Vereinsjubiläum fand vom 24. bis 26. Juli 1987 statt. Es begann mit einem Fußballknüller: Einem Spiel des ASV Möhrendorf gegen den damaligen Bayernligaaufsteiger TSV Vestenbergsgreuth. Weitere Höhepunkte waren Jugendfußballspiele, ein großes Spielfest, Präsentationen der neuen Hallensportarten, der Auftritt eines Bauchredners und viel gute Stimmung.

Fast zwei Jahrzehnte nach dem ersten Versuch Schach im ASV Möhrendorf zu etablieren, wurde in der 2. Jahreshälfte 1988 ein neuer und nun gelungener Anlauf genommen. Der “Schachtreff” im ASV Möhrendorf wurde von begeisterten Schachspielern gegründet. Zuerst traf man sich im Gasthaus Schuh in Kleinseebach. Nach Zwischenstationen bei den Freiwilligen Feuerwehren in Möhrendorf und Kleinseebach hat der Schachtreff nun eine gute Bleibe in der Gemeindescheune in Möhrendorf gefunden. Hervorzuheben ist die auch im Schachtreff engagiert betriebene Jugendarbeit. Das vom Schachtreff regelmäßig im Sommer veranstaltete “Schach im Biergarten” im Gasthaus Schuh in Kleinseebach, gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Möhrendorfer Veranstaltungskalenders.

Die nächsten 10 Jahre waren für den ASV Möhrendorf, neben den sportlichen Aktivitäten, geprägt von den Bemühungen um das neue Sport- und Freizeitzentrum der Gemeinde an der Dechsendorfer Straße, denn seit Ende der 70er Jahre ergaben sich für den ASV Möhrendorf am Sportgelände an der Neuen Straße, wo sich schon der erste Sportplatz befand, in mehrfacher Hinsicht große Probleme:

  • Die von Kleinseebach her an die Sportplätze heranrückende Bebauung, aber auch die Ausweisung von Baugebieten auf der westlichen Kanalseite von Möhrendorf her, ließ, realistisch betrachtet, keine Zukunftsperspektive für den Verein an dieser Stelle offen. Erweiterung der Sportflächen oder gar die Aufnahme weiterer Sportarten wie z.B. Tennis, war nicht möglich.

  • Bei dieser Ausgangslage kam für den Verein erschwerend hinzu, dass die Sportplatzgrundstücke nicht dem Verein gehörten, sondern von privaten Eigentümern gepachtet waren. Das auch noch zu unterschiedlichen Bedingungen und sogar für einen Teil des damaligen A‑Platzes mit kurzen Kündigungsfristen, die tatsächlich mehrmals angedroht bzw. ausgesprochen wurden.

Von Anfang an war klar, dass eine Auslagerung nur unter tatkräftiger und verständnisvoller Mithilfe der Gemeinde möglich sein würde. Der Verein war nicht in der Lage, an anderer Stelle entsprechend große Grundstücke zu kaufen. Nach Gesprächen zwischen Verein und Gemeinde und langer Suche, erwarb die Gemeinde Möhrendorf nach und nach bis etwa 1983/84 die Grundstücke an der Dechsendorfer Straße. In weiteren intensiven Verhandlungen zwischen der Gemeinde und den Verantwortlichen des Vereins wurde dann in den Jahren 1985/86 das Konzept des Sport- und Freizeitgeländes an der Dechsendorfer Straße erstellt und in einen gültigen Bebauungsplan umgesetzt. Dieser enthielt neben den reinen Sportflächen auch eine allgemeine Festwiese und einen Festplatz. Die Gemeinde Möhrendorf war aber damals der Auffassung, dass mit der Grundstücksbeschaffung ihr Anteil beendet und die weitere Planung, Finanzierung und der Bau, Sache des Vereins sei. Auch viele Gespräche konnten diese unrealistische Ansicht nicht ändern. Unrealistisch deshalb, weil der Verein kein eigenes, verwertbares Vermögen hatte und wegen einer Antragssperre auch keine Zuschüsse vom Bayerischen Landessportverband zu erwarten waren. Der ASV ließ trotzdem im Mai 1987 von einem Architekten ein neues Sportheim mit Funktionsräumen für die Freisportflächen, einen großen Gymnastikraum, Kegelbahnen und Hausmeisterwohnung, planen. Die Kostenschätzung belief sich auf rund 2,8 Millionen DM. Wie vorherzusehen, war an eine Realisierung durch den Verein nicht zu denken.

Im Juni 1989 wurde die Gemeinde Möhrendorf vom ASV deshalb erneut gebeten, die Bauträgerschaft für das neue Sport- und Freizeitgelände zu übernehmen. Die denkbaren staatlichen Zuschüsse waren zu dieser Zeit für die Gemeinden für derartige Bauvorhaben höher und auch schneller zu erhalten als für einen Sportverein, der sie, wenn überhaupt, dann eher durch den Bayerischen Landessportverband erhalten hätte. Der ASV war im Gegenzug bereit, sein Erbbaurecht am Sportgelände an der Neuen Straße aufzugeben. Durch die dann mögliche Ausweisung des ganzen Gebietes zwischen Möhrendorf und Kleinseebach westlich des Kanals als Bauland waren wesentliche Anteile der Finanzierung durch die Gemeinde möglich. Die Gemeinde forderte von den Eigentümern eine „Wertschöpfungsabgabe“, abzugelten in bar oder durch Abtretung entsprechender Grundstücksflächen.

Im September 1989 war es dann endlich soweit: Der Gemeinderat beschloss die Bauträgerschaft für das gesamte Projekt, einschließlich der notwendigen Hochbaumaßnahmen zu übernehmen und die erforderlichen Zuschussanträge bei der Regierung von Mittelfranken, zunächst für zwei Fußballfelder und zwei Tennisplätze, zu stellen. Damit war ein wesentlicher Fortschritt erzielt. Die Auffüllungsarbeiten und auch die Bauarbeiten für die Fußballballplätze und die, wegen des großen Interesses dann drei Tennisplätze, gingen relativ schnell voran und wurden in den Jahren 1990/91 im Wesentlichen abgeschlossen.

Parallel zu den Verhandlungen mit der Gemeinde organisierte sich die bisher relativ lose Gruppe von Tennisspielern um das langjährige, auch beim Fußball früher bereits engagierte Mitglied Helmut Hetzner, in einer eigenen offiziellen Tennisabteilung im ASV Möhrendorf. Die offizielle Gründungsversammlung der Abteilung fand am 14. November 1990 statt. Der Spielbetrieb auf den von der Gemeinde Möhrendorf gebauten, vom Verein aber bezahlten drei Plätzen, konnte im Sommer 1991 aufgenommen werden. Wegen des großen Interesses am Tennissport musste bereits Ende 1992 mit der Gemeinde über den Bau des 4. Tennisplatzes gesprochen werden. Er wurde gebaut, und noch 1993 in Betrieb genommen. Auch diese Baukosten wurden der Gemeinde vom ASV ersetzt. Während auf den Tennisplätzen bereits im Mai 1991 gespielt wurde, konnte auf den Fußballfeldern erst im August 1995 der volle Spielbetrieb aufgenommen werden. Die Gründe hierfür waren nachträglich bekannt gewordene Mängel und Unregelmäßigkeiten bei der Auffüllung und Verdichtung der Sportplatzflächen und in deren Folge heftige Auseinandersetzungen zwischen dem damaligen Bürgermeister und dem Gemeinderat. Nach der Aufnahme des Spielbetriebs an der Dechsendorfer Straße hat der ASV die Fußballfelder an der Neuen Straße schrittweise geräumt.

Zeitgleich zu den Bauarbeiten für die Sportfelder wurden Überlegungen angestellt und Pläne, über das Aussehen und den Umfang der notwendigen Gebäude an der Dechsendorfer Straße bei der Gemeinde und beim ASV geschmiedet. Neben einer „Mehrzweckhalle“ war ein Gebäude mit verschieden großen Gruppenräumen angedacht. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde Möhrendorf vergleichbare Anlagen mit Mehrzweckhalle, z.B. in Heroldsbach/Thurn, besichtigt. Den Auftrag zur Planung erhielt von der Gemeinde ein Architekt aus Höchstadt. Der erste vollständig ausgearbeitete Plan datiert dann vom Oktober 1991. Er umfasste eine Mehrzweckhalle mit 44 x 22 m (erweiterbar um weitere 22 x 29 m), zwei Mehrzweckräume, vier Gruppenräume, vier Kegelbahnen, die Funktionsräume für die Freisportflächen und die Halle, eine Hausmeisterwohnung und die Sportgaststätte. Nach den im Mai 1992 ausgebrochenen Querelen um Zustand, Mängel und Fehler beim Bau der Sportplätze und deren mögliche Behebung, traten in der Folgezeit die notwendigen Schritte zur Realisierung der Hochbaumaßnahmen in den Hintergrund.

Zwar wurden zwischendurch, so im Juni 1994, (mehr halbherzige) Korrekturen nach unten vorgenommen, die aber auch nicht konsequent weiterverfolgt wurden. Erst nach dem im Sommer 1995 verkündeten vollständigen Wegfall der fest eingeplanten staatlichen Zuschüsse kam wieder Bewegung in die ganze Sache. Klar war allen Beteiligten, dass für einen dauerhaften Spielbetrieb auf den Fußballfeldern vor allen Dingen Duschen, Umkleiden und ausreichende Toiletten notwendig sind. Deshalb wurde mit der Gemeinde über den Bau eines “Sanitärgebäudes” verhandelt. Dieses Gebäude sollte die Notwendigkeiten der Tennisabteilung und die Mindestbedürfnisse für den Betrieb der beiden Fußballfelder abdecken. Entstanden ist mit Unterstützung durch den Bayerischen Landessportverband, die Gemeinde Möhrendorf und den Landkreis Erlangen-Höchstadt das jetzt an der Dechsendorfer Straße stehende Tennisheim. Beginn der Verhandlungen mit der Gemeinde war im März 1993. Baubeginn im Herbst 1994, Fertigstellung im Frühjahr 1995 und offizielle Einweihung im September 1995. Die Gesamtkosten betrugen über 400.000 DM. An Zuschüssen, bzw. zinsgünstigen Darlehen, erhielt der Verein vom BLSV, der Gemeinde und dem Landkreis knapp 177.000 DM.

Die Möglichkeit in Möhrendorf Tennis zu spielen, brachte der neu organisierten Tennisabteilung und damit auch dem ASV Möhrendorf insgesamt, einen ganz erheblichen Mitgliederzuwachs. Mit der weiter anwachsenden Einwohnerzahl von Möhrendorf und deren sportlichem Freizeittatendrang stieg auch nach der Gründung der Tennisabteilung die Mitgliederzahl kontinuierlich an. Ende April 1994 konnte dann das 1.000 Mitglied im ASV begrüßt werden.

1995 kam eine weitere “Attraktion” unter das Dach des ASV Möhrendorf: Der von unserem Mitglied Jürgen Pillipp mit einigen begeisterten Mitstreitern organisierte “2. Iron-Baby-Lauf”, angelehnt an den Triathlon mit Schwimmen, Radfahren und Laufen, wurde zum ersten Mal im Rahmen des ASV Möhrendorf durchgeführt. Im Jubiläumsjahr 1997 gehört dieser Lauf schon zum festen Jahresprogramm des ASV. Die Fußballer der l. Mannschaft spielten seit 1987 relativ wenig erfolgreich in der C‑Klasse. Erst 1993 gelang, nach mehreren vergeblichen Versuchen, der Wiederaufstieg in die B‑Klasse. Die Ergebnisse in der höheren Klasse waren dann zwar anfangs etwas gemischt, in den nächsten Jahren war jedoch eine deutliche Steigerung nicht zu übersehen.

Nach dem Bau des Sanitärgebäudes (Tennisheim) gelang es der Gemeinde mit dem neugewählten Bürgermeister, die Zuschussfähigkeit für die geplanten Hochbauten durch den Bayerischen Staat wieder zu sichern. Der daraufhin ausgearbeitete reduzierte und neue Plan vom September 1996 sah nun eine Mehrzweckhalle von 15 x 27 m (erweiterbar auf 30 x 27 m), die Funktionsräume für die Halle und die Fußballfelder, einen Mehrzweckraum, die Hausmeisterwohnung und das neue Vereinsheim vor. Die Kostenschätzung für die Bauten und die Einrichtung belief sich jetzt auf rund 5,5 Millionen DM. Die in den Jahren 1996/97 von der Gemeinde Möhrendorf wieder aufgenommenen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern führten im Oktober 1997 zum Erfolg. Wie schon Ende der 80er Jahre geplant, verpflichtete sich die Gemeinde für die damals noch freie Fläche zwischen Möhrendorf und Kleinseebach westlich des Kanals einen Bebauungsplan aufzustellen und damit diese Flächen in Bauland umzuwandeln. Die Grundstückseigentümer verpflichteten sich, die von der Gemeinde verlangte „Wertschöpfungsabgabe“ zu leisten. Mit den damit für die Gemeinde erzielbaren Einnahmen war die Hauptsäule der Finanzierung der Hochbauten an der Dechsendorfer Straße gesichert. Der ASV verpflichtete sich in die Aufhebung des noch rund 60 Jahre laufenden Erbbaurechtes einzuwilligen. Die Grundsatzeinigung mit den Erben der ursprünglichen Eigentümerin dazu wurde (unter Vermittlung der Evangelischen Pfründestiftung) bereits 1993 erzielt. Der Verein erhielt dafür eine gesonderte Entschädigung. Alle für das Gesamtprojekt notwendigen notariellen Verträge wurden am 6. Oktober 1997 im Rathaus in Möhrendorf beurkundet.

Von da an ging es dann zügig voran, auch wenn zwischenzeitlich im Gemeinderat immer mal wieder Bedenken ob der hohen Kosten der Maßnahme aufkamen. Der Bebauungsplan für das nun „Tretenäcker“ benannte Baugebiet wurde im Juli 1999 rechtskräftig. Parallel wurden die Planungen für die Gebäude an der Dechsendorfer Straße vorangetrieben und auch abgeschlossen, so dass der „1. Spatenstich“ im Juni 1999 erfolgen konnte. Die Einweihung der Seebachtalhalle (zunächst nur Funktionsräume für die Freisportflächen und die Halle sowie die Sportgaststätte mit Nebenräumen) erfolgte am 1. Dezember 2000. Nach der Fertigstellung der Inneneinrichtung konnte der Sportbetrieb für die Hallensportarten im Herbst 2001 beginnen. Damit hatte der ASV Möhrendorf an der Dechsendorfer Straße mit der Seebachtalhalle und den Sportplätzen am Eichholz seine dauerhafte neue Heimat bezogen.

Parallel zu den Baumaßnahmen wurden zwischen der Gemeinde Möhrendorf und dem ASV Verhandlungen über die Bedingungen der künftigen Nutzung der gesamten Sportanlage geführt. Der im Mai 2000 abgeschlossene „Nutzungsvertrag“ gestand dem ASV das alleinige Nutzungsrecht an der gesamten Sport- und Freizeitanlage zu. Es ist eine im ganzen Umkreis einmalige Vereinbarung, dass eine Gemeinde einem Sportverein eine solche Anlage zur alleinigen Nutzung und dazu noch zu einem geringen Pachtzins überlässt.

Zwischenzeitlich musste der ASV das zunächst noch an der Neuen Straße betriebene Sportheim vertragsgemäß abbrechen und entsorgen. Das geschah in Eigenregie und Eigenleistung im Februar 2001. Noch in diesem Jahr zeigte sich aber, dass die vorhandenen zwei Fußballfelder für einen geordneten Trainings- und Spielbetrieb nicht ausreichten. Der ASV bot daher der Gemeinde an, die zwischen dem A‑Platz und der Halle liegende Fläche, die zunächst als Hartplatz vorgesehen war, in Eigenregie und weitgehend auf eigene Kosten zu einem Kleinspielfeld auszubauen. Die Gemeinde stimmte zu und gab einen nicht unwesentlichen Zuschuss. Außerdem erwies es sich als notwendig, für die Freisportflächen ein Gerätehaus zu errichten. Als Platz dafür bot sich eine Überbauung der bereits zwischen den Sportplätzen vorhandenen Brunnenanlage an. Für den Ausbau des Kleinspielfeldes und das Gerätehaus hat der ASV eine aus der Auflösung des Erbbaurechtes an der Neuen Straße erhaltene Entschädigung verwendet. Damit hat der ASV bis zu diesem Zeitpunkt an der Dechsendorfer Straße aus eigenen Mitteln (einschließlich Spenden) und dem Wert der erbrachten Eigenleistungen rund 740.000 DM oder rund 380.000 € beigesteuert.

Die Vielfalt an sportlicher Betätigung in Möhrendorf und die Betreuung von mittlerweile fast 400 Kindern und Jugendlichen im Verein, angefangen beim Fußball über Tennis, Schach und die vielen Hallensportarten, ist jedoch nur möglich, weil sich auch heute noch gute und engagierte ehrenamtliche Übungsleiter finden lassen. Dies war und ist eine der Stärken des ASV Möhrendorf. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir hoffen, dass uns dieses ehrenamtliche Engagement auch in Zukunft erhalten bleibt.

März 2003

Hans Sichermann

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